3 Wochen hatten wir Urlaub. In der ersten Woche verbrachten wir auf unserer Fahrt nach Dömitz erstmals eine längere Zeit auf dem Boot. Einfach mal ausprobieren wie sich das anfühlt, haben wir uns gedacht. Und wie erwartet, gefiel es uns wunderbar. Die Gegend ab Lauenburg stromauf bevorzugen wir ja ohnehin – einfach paradiesisch. Bilder gibt es keine von dieser Fahrt. Ich hatte meine Speicherkarte zuhause im PC stecken lassen. Was für ein Ärger. Die Oberelbe bietet immer äußerst attraktive Motive. Deshalb sei dieser Ausflug auch nur am Rande erwähnt.
Denn hier geht es um eine Fahrt auf die Unterelbe mit den Zielen Stade und Glückstadt. Diesmal mit Fotoapparat. Insgesamt fuhren 3 Boote. Die Karin, die Tianni und Miss Marple. Es war einer der ersten heißen Sommertage 2010. Nico und Brigitte “mussten” vormittags unbedingt noch auf den Flohmarkt Eppendorfer Weg. Und so kamen wir um die Mittagszeit dann endlich los. Die Tide auf der Elbe ging gerade günstig stromab, was unserer Reiserichtung entsprach. Die Schleuse Tiefstack konnte zügig passiert werden, weil Jürgen unsere Ankunft per Funk angesagt hatte.
Bei der Ausfahrt aus der Schleuse stellte mein Schnucki fest, dass es bei dem warmen Wetter vorn am Bug sehr angenehm war. Der Wind wehte einem um die Nase und trocknete den Schweiß auf der Haut. Also blieb sie vorn sitzen und ließ es sich gut gehen. Wir passierten die die Norderelbbrücken. Alles lief wunderbar. Jürgen und Christian passten sich meiner Geschwindigkeit an obwohl es ihnen bestimmt in den Fingern gejuckt hat. Da müssen die durch, dachte ich, schließlich hatten die sich ja uns angeschlossen. Wir näherten uns dem Hamburger Hafen und langsam kam die dort übliche “kappelige See” auf. Schnucki im Bug gings noch gut. Sie verlangte nach einer Zigarette. Als wir die Landungsbbrücken erreichten, mussten wir ein paar amtliche Wellen meistern. Miss Marple krachte einige Male brachial in die Wellentäler um sofort wieder vehement hoch gerissen zu werden. Wie geht es Schnucki? Sie krallt sich krampfhaft an der Reling fest, sagt aber noch nichts. Gleich danach die nächste Serie von Brechern. Einige male schlugen die Wassermassen über das Boot. Und natürlich auch – über Schnucki, die jetzt merklich unruhig wurde. Sie versuchte, mir etwas mitzuteilen. Bei mir kam aber nichts an. Nur der Gesichtsausdruck signalisierte SOS. Sie fühlte sich an Leib und Seele bedroht und wollte in die Kajüte.
Um uns herum ein einziges Gewusel von Barkassen, Schleppern und “Bügeleisen”. Bei dem Seegang war an eine Begehung des Gangbords nicht zu denken. Nun wurde ich unruhig. Ich stoppte erst mal auf. Das half natürlich nichts. Ich fuhr Richtung Ufer an die Kaianlagen. Auch nicht besser. Man man – was mach ich bloß. Vom Bugbereich erreichten mich Fetzen von Gezeter. Ich suchte verzweifelt nach einer Gegend mit ruhigerem Wasser. Von unseren beiden Begleitbooten nichts mehr zu sehen. Uns gegenüber mündete der Köhlbrand in den Hauptstrom. Dort sah das Wasser aus der Ferne um einiges glatter aus. Ich also ohne Rücksicht auf irgendwas quer über die Elbe geritten. Dort gelang es Schnucki nach einigem hin und her sich klöternass in die Plicht zu retten. Alter Schwede – wat’n Stress. Zeitgleich bemerkten unsere Begleiter den Verlust eines Bootes und kamen uns gegen den geplanten Kurs entgegen. Der Vorfall sorgte für Amusement – außer natürlich bei Schnucki.

Unmittelbar nach diesem Abenteuer trafen wir dann noch Gertrud und Jürgen mit ihrem neu erworbenen Spitzgatter “Bijou”. Sie begleiteten uns bis ungefähr Övelgönne um sich dann in Richtung Heimathafen zu verabschieden. Die Weiterfahrt gestaltete sich dann erholsam. Vorbei an der übervollen Strandperle, dem Panorama von Blankenese, dem Wedeler Yachthafen und dem Willkommhöft in Schulau ging es in beschaulicher Verdrängerfahrt die Elbe runter. Immer schön mit der Tide. Zwischen der Insel Lühesand und dem Festland mussten wir ca. zwei Stunden vor Anker liegen weil die Ebbe ihren tiefsten Stand erreicht hatte. An ein Befahren der Schwinge in Richtung Stade ist bei dem Wasserstand nicht zu denken. Die Schwinge ist dann nur ein Rinnsal inmitten von Schlick. Aber so eine Zwangspause ist nichts Schlimmes. Man kann allerhand erledigen. Kaffee trinken, Kekse essen, den Ausblick von der Flybridge genießen oder auf der Badeplattform die Beine ins Wasser baumeln lassen. Ich hab jedenfalls von unserem Silberrücken erst mal mehrere Einläufe bekommen. Von wegen ich soll doch im Hafen immer direkt in seinem Schraubenwasser fahren. Er bricht dann für mich die großen Wellen und verscheucht die bösen Barkassenkapitäne mit seinem Dickschiff. Und einfach quer über die Elbe geht mal gar nicht. Und wie sind denn die Boote wieder aneinander gebunden? – Tja der Silberrücken macht bestimmt noch nen ordentlichen Skipper aus mir. Jede Seemeile ein Einlauf und dann wird das schon.
Kaum hatte sich die Strömungsrichtung gedreht, fuhren wir Richtung Schwingemündung. Was mir doch etwas verfrüht vorkam. Christian hatte dann in der Elbe noch Grundkontakt. War natürlich meine Schuld, weil er war mir gefolgt und ich hatte mich nicht an die Betonnung gehalten. Oh ne du – die Bootsfahrerei hat es in sich. Miss Marple hatte jedenfalls keine Bekanntschaft mit dem Elbschlick gemacht.
Fazit: folge keinen Booten, die weniger Tiefgang haben als dein eigenes.
Die Schwinge hatte bei unserer Ankunft sehr wenig Wasser. Wurde aber ohne zu zögern von uns befahren. Und zwar in der strategisch bemerkenswerten Reihenfolge: erst das Boot mit dem größten Tiefgang und zuletzt das Boot mit dem geringsten. Mein Echolot zeigte zeitweise eine Wassertiefe von 40 cm und ich fragte mich, wie es sein kann, dass Hans-Jürgen mit 1 Meter Tiefgang immer noch seine Fahrt fortsetzen konnte. Dazu meinte er später nur, dass seine Props sich notfalls auch durch den Schlick wühlen und das Boot antreiben. Hmmm – wahrscheinlich kann man mit seinem Boot auch Felder pflügen.

Der Stader Hafen war gut belegt. Verbliebene Plätze waren reserviert. Letztlich lagen wir mit 3 Booten längsseits am Steg. Eine sehr gesellige Angelegenheit. Stade selbst – immer eine Reise wert – zeigte sich gewohnt romantisch. Der Aufenthalt war sehr entspannt und der Ausblick vom Hafen auf die Stadt war sehr schön. Auch den netten und witzigen Hafenmeister möchte ich nicht unerwähnt lassen. Er trug ebenfalls zu unserem Wohlbefinden bei. In den 2 Tagen und Nächten war das Wetter leider nicht so schön wie bei unserer Abfahrt. Aber die Laune konnte das keinem verderben.
Bei hohem Wasserstand und ablaufendem Wasser brachen wir Richtung Glückstadt auf. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Die Elbe hat auf dieser Höhe eine respektable Breite. Durch die “dicken Pötte” und die vielen Leuchttürme kommt ein wenig Nordsee-Feeling auf. Im Hafen Glückstadt fand jeder von uns seinen eigenen Liegeplatz. Auch diese Stadt wusste zu gefallen und war doch ganz anders als Stade. Mehr maritim irgendwie. Gegen Ende der Woche fuhren Schnucki und ich allein Richtung Heimat, weil unser Urlaub sich dem Ende näherte. Wir haben uns in dieser kleinen Gruppe sehr wohl gefühlt und würden es immer wieder machen. Vielen Dank an euch: Nico, Karin, Hans-Jürgen und Christian.
Weitere Bilder von dieser Fahrt findet ihr in unserer Bildergalerie.